Dokument 4+5 über den Schlossbrand von 1929

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Brand i. Schloß Lindheim
Am 2 Mai d. J. vorm. 2 Uhr entstand in dem Schloß
Lindheim auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer.
Dasselbe ist auf dem Boden des Hauptbaues entstanden,
u. wurde von einem Nachbar zuerst bemerkt, welcher
sofort alarmierte. Bis die Mannschaft zur Stelle
war, stand der ganze Dachboden des Hauptbaues in
Flammen, was darauf schließen läßt, daß das Feuer
ehe es zum Ausbruch kam in dem inneren Boden große
Ausdehnung angenommen haben müßte, welches noch durch
die auf den Boden untergebrachten alten Mobiliarien
große Nahrung gegeben wurde.
Auch befand sich noch die Besitzerin
des Schlosses Exl. v. Patrunki in in ihrem Schlafzimmer, welche nach Aufbrechen
der Tür durch Feuerwehrleute gerettet wurde, das Schlafzimmer
befand sich im oberem Stock, der im Schloß arbeitende Gärtner
hatte seine Wohnung im Parterestock u. wurde auch durch
die Feuerwehr geweckt. Der Schaden ist sehr groß, da nur wenig
gerettet werden konnte.
Die Wehr griff den Brand zuerst mit zwei Schlauchlinien
an, der Spritze wurde zu Anfang das Wasser aus der Wasserleitung
zugeführt. Nachdem auswärtige Brandhilfe Altenstadt, Heegheim u. Hainchen gefordert u. erschienen war, wurde die Altenstädter Druckspritze
an die Stelle der Lindheimer Spritze
gestellt. Die Lindheimer Spritze da dieselbe Saug u. Druckspritze
ist an die nahe vorbei fließende Nidder, der Spritze von Heegheim
wurde ebenfalls das Wasser aus der Wasserleitung zugeführt,
Hainchen stand mit der Spritze im Schloßgarten an
einem Teiche. Erschwerend für die Wasserleitung war, daß keine der Hilfe-
leistenden Gemeinden eine Saugspritze besitzt,
welche man an der nahe vorbeifließenden Nidder zur Wasserentnahme hätte aufstellen können,
wodurch die Wasserleitung im erhöhtem Maße in An-
spruch genommen wurde, so daß in der Gemeinde am
Nachmitag Wassermangel bestand, ich ordnete auf verschiedene
Beschwerden hin, die Entnahme des Wassers nur aus der
Nidder an, damit sich die Behälter wieder füllen konnten.
Bei diesem Schloßbrande hätten sich neue Motorspritzen
wieder glänzend bewährt da man durch die Motorkraft dem
Feuer, mit vermehrter Wassermenge u. Kraft, als die anwesenden
Druckspritzen bieten konnten, hätte entgegentreten können. Es ist auch anzunehmen,
daß wenn dies der Fall gewesen wäre, der Spitzenbau
z. Teil gerettet hätte werden können. Die angeforderte u. geleistete Brandhilfe wurde gegen 7 Uhr von mir wieder entlassen. Bei meinem Eintreffen
habe ich sofort mit der Aufräumung u. Ablöschung des noch auf der
Straße liegenden z. T. noch brennenten Holzes beginnen lassen, da-
mit die Straße frei wurde. Die Ablöschungsarbeiten
in dem eingestürtzten Schloß selbst erachtete ich nach stundenlangen Arbeiten
als zwecklos, da die Wassermenge welche die Spritzen lieferten
in der Glut verschwand wie ein Tropfen Wasser auf einem glühenden
Eisen. Es wurde nur nach außen gefährlich u. freistehendes Gebälk her-
untergerissen u. dann abgelöscht im innern des Schloßbaues
mußte man es weiter ausbrennen lassen da man hier
nicht gut dran konnte u. das Ablöschen von den verschiedenen Spritzen keinen Wert hatte.
Die Wehr hatte am folgenden Tagen noch vollauf mit dem Ab-
löschungsarbeiten zu tun.
Ich teilte um 7 Uhr nachm. noch eine
Nachtwache ein u. verließ hierauf die Brandstätte.
Auch mußte ich noch feststellen, da das Schlauchmaterial z. T.
sehr defekt u. entzwei war, wie viel Schläuche
neu angeschafft werden müssen, damit wieder der alte
Bestand vorhanden ist.

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